Silver Linings

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Neulich wurde ich zur Technik der Negativschichtung wie folgt befragt:

Werden Negative übereinander gelegt oder nacheinander belichtet?

Diese Frage ist von entscheidender Bedeutung, da sich die genannten Varianten in ihrem Ergebnis nicht nur vollkommen unterscheiden, sie sind geradewegs konträr zueinander. ich antwortete stümperhaft und erklärte die mir offenbare Logik auf rein technische Weise: Die Schichtung im Vergrößerer selbst, bei der die Negative übereinander gelegt werden, wird stets die Lichter addieren, während das Belichten nacheinander die Schatten beider Motive entstehen lässt. Schließlich blockieren die silberhaltigen Areale — sprich: die Schatten im Negativ, also die Lichter im späteren Positiv — alles an Licht, sodass das Papier dort unbelichtet bleibt und somit seine Grundfarbe, oft weiß abbildet. Belichten wir nacheinander, wird jedes Bild komplett auf das Papier gebracht, was zu Schwärzungen aller Schatten führt, die nicht durch das jeweils andere Negativ verhindert werden können. Daher bestimmt das gewünschte Ergebnis und die zugrundeliegenden Negative die Vorgehensweise.

Ich hatte mir oft überlegt, weshalb diese Logik plausibel ist und wie man sie verinfachen kann, jedoch bislang diesen Gedankengang nicht zu ende geführt. Die explizite Frage lud mich heute auf dem Fahrrad dazu ein, eine Eselsbrücke zu basteln; bevor ich mein Zuhause erreichte, sollte ich die Antwort im Köcher haben.

Und es ist denkbar einfach: Licht entsteht durch Energie, durch Reibung, durch Menschen in Gemeinschaft, wie Negative, die beisammen sind. Indes ist der vereinzelte Mensch ungebremst dem Erzählen seiner Dunkelheiten ausgesetzt, und sie breitet sich aus.

Ganz mit mir allein im Eigenheim
Es werden Schatten meiner habhaft
Laben darf ich mich, an der Idee
des andern Unvollkommenheit und meiner Pracht.

Ungebremst währt die Geschichte fort in mir
Allmählich vergesse ich die Dunkelheit
Sodann darf sie sich breiten
Erlaubt mir die Magie
und Menschen brauche ich nicht mehr
Deutlich schwindet der Dunst
Als dann ich stehe im grenzenlosen Schatten.
Die Dunkelheit: Ist groß und
ich unterwerfe mich in gieriger Hoffnung.

Derweil, und andernorts
Wir schmilzen zusammen, die Menschen,
Ihr und ich
Derweil zu andrer Zeit und ohne Not
als Hören dem Erzählen glich
Stieg auf mit unsrer Fantasie das Licht
Bis wir in ihm die Schatten sahen
die uns einst so fest umgaben,
als wir noch allesamt allein gewesen.
Im Eigenheim, damals, es war erst gestern
suhlten sich die Silhouetten
Hier und heute, ließen wir sie tanzen im Licht, das wir gebündelt.

Ich, still und heimlich
gebe Raum den Schatten.

Wir, schrill und nicht kleinlich,
Leben den lichten Traum, den wir einst hatten.


Oben: Negativschichtung im Vergrößerer: Lichter addieren sich
Unten: Belichtung in zwei Vergrößerern bzw. Negativbühnen nacheinander: Schatten addieren sich